Mai 2000: Wieder ein Bericht, diesmal von Ulf, der nach langer Enthaltsamkeit wieder zu einem richtigen Motorrad gefunden - und sich dann so einen Exoten angelacht hat.

Ulfs Moto-Erfahrungen

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Der Sommer ist dabei zu beginnen, und die MOTO kann jetzt vom Winterschmutz gereinigt werden. So, sieht aus wie neu.

Vor 6 Monaten, passend zum Winter, habe ich mich endlich nach 10 Jahren Motorradabstinenz dazu durchgerungen, zu Brummen. Ein Eintöpfer sollte es sein, leicht zu warten, ohne viel Schnickschnack. SR 500...? Damals ein Teenie-Traum, aber alle Angebote irgendwie nicht die Richtigen. Die neuen Modelle mit Trommeltechnik und weniger Pferdekraft, die Alten entweder viel zu teuer oder total zerbastelt. Keine Lust auf Dauerschrauben -Schade. Ich bin die Suche leid. Es gibt für mich nur eine Alternative: MOTO 6.5. Ich suche ca. 3 Monate nach passendem Modell. Meine Frau ist schon genervt; ich erinnere Sie an Ihre "Schuhorgien" und erreiche Waffenstillstand.

Alle einschlägigen Moppedjournale durchgeblättert und kein Erfolg. Warum nur will alle Welt ihre alte "Flickware" loswerden? Erste Gebrauchtangebote gehen bei DM 6500 los und enden bei DM 9000 (Händler). Zum Winter lassen sich einige der Profis breitschlagen und bieten Neue mit Preisnachlaß für rund DM 10k. Aber auch eine Husqvarna in SuperMoto-Version, -ich zaudere.... Dann die Überraschung: Ein Händler bietet "Ausstellungsware" mit allem Drum und Dran für sage und schreibe was bei DM 8500 (weiss leider nicht mehr wer, irgendwo im Ruhrgebiet, findet sich im Internet). Ich probiere es ab jetzt übers Internet; Suchmaschine und los. Dann haut es mich von den Socken: PeterGrabo hat richtig was geleistet. Im Ernst, eine hervorragende Site, die mir bisher wirklich weitergeholfen hat, und von mir regelmäßig aufgesucht wird. An dieser Stelle vielen Dank für Deine Mühe und die der anderen Autoren. (Danke - der Säzzer)

Ich suche und finde und suche und finde. Fahre mehrere MOTOs zur Probe und habe ersteinmal Respekt. Als "Scooterboy" (PX200) schrecke ich vor der Erkenntnis "MOTO" ein wenig zusammen; - ist sie nicht doch ein wenig schwer?-, -zuviel PS?-, -zu unhandlich?-. Ein Blick in die MOTO-Site von Peter verunsichert mich: teure bzw. fast keine Ersatzteile, schlechte Plastikteile, hoher Verbrauch... hmm, kann das denn wahr sein?

Es folgt wieder ein Hin- und Her der Ratio mit dem Gefühl. Das Gefühl siegt. Für DM 4500 erstehe ich eine '95er mit 9000 Km in anthrazit-schwarz. Es geht los. Ich überprüfe die Klischees.

Anspringen: Choke zu, Benzinhahn auf, Anlasser rein, kein Gas!, irkirkirkbrubrubrubrubrub....., alles kein Problem (übrigens alle die von mir probegefahrenen 3 MOTOs zeigten dieselbe Zuverlässigkeit).

Handschuhe an, aufgesessen, Sporen, Choke auf, Ampel, Aus. Whoops!?, Choke zu, ein kurzes "irkirk" und sie lauft wieder. Tatsächlich, die Sache mit dem Choke stimmt. Lösung: Choke zu, 100-200 m fahren, dann auf halbe Stellung, nach 1Km Choke ganz auf, fertig. Das war bei meinem alten Uno auch nicht anders.

Beschwerden über vergilbte Alulackierung lasse ich nicht gelten. Ich gebe zu, eine Farbveränderung läßt sich feststellen, aber eine gewisse Pingeligkeit auch. Jedenfalls stört mich dieser "Mangel" keineswegs. Die eine oder andere Gummimuffe an den Zügen könnte besser sein, aber für mich alles kein Grund zu Panik.

Zur Bereifung kann ich nur soviel sagen, daß bei mir bereits neue aufgezogen wurden (Metzeler). Da der Vorbesitzter diese Entscheidung bereits nach unter 9000 Km traf, halte ich die Berichte zur Bereifung für plausibel.

Von den Fahreigenschaften kann ich jedoch nichts Nachteiliges berichten. Irgendwelches "Schwammiges Fahrverhalten" oder Unbeherrschbarkeit kann ich nicht nachvollziehen. Meine MOTO liegt fest auf der Straße, und wackelt nicht irgendwie herum oder flattert. Einzig beim Abbiegen um enge Kurven an Kreuzungen kann das Hinterrad seitlich wegschmieren; Lösung: einfach weniger Gas geben.

Auch das Gerücht, die MOTO spränge nach längerer Standzeit nicht mehr an, kann sich bei mit nicht halten. Einen ganzen Monat lang stand die MOTO draußen unter der Haube, als ich sie an einem eiskalten, sonnigen Wintermorgen sofort zum Leben erweckte. Kein Batterieschnickschnack mit Saureprüfung und dem ganzen Zirkus. Natürlich, man kann, muß aber nicht.

Jetzt zum Thema Verbrauch. Die erste Tour ergab einen Verbrauch von ca. 7 - 8 Litern auf 100 Km Landstraße. Dann der Winter. 10 Liter auf 100 Km Stadt sind schnell verbrannt. Bei längeren Chokephasen und kaltem Motor vielleicht auch kein Wunder? (Huski und KTM-Piloten derselben Kubikklasse berichten allerdings von ähnlichen Verbräuchen).

Ich finde diesen Verbrauch einfach viel zu hoch! Hab' ich da was nicht mitbekommen? Gibt's jetzt Ölfelder bei Aldi oder Was? Ja pinkelt Ihr Motorentwickler jetzt Super?

Dann die erste Maßnahme (Danke Michael): Luftfilter reinigen und Gummipröppel am Filter rauspulen. Sie wird zwar etwas lauter, aber von "infernalistischen" Lärmorgien ist das Ganze noch weit entfernt. Nach 2 Betankungen etwa 8 - 9 Liter je 100 Km bei Winterkälte und viel Choke. Möglicherweise hätte das Reinigen des Luftfilterschaumgummis genügt.

Als nächstes kommt eine neue Zündkerze zum Einsatz. Aus Mangel an der erwähnten Splitfire SF 416 C mit V-Elektrode versuche ich es ebenfalls mit einer "Großfunkenkerze" vom Typ NGK D-8 EVX für ca. DM 20 bei "Kein Gezicke".

Dank Aprilia befindet sich ein einfacher, aber wirkungsvoller Zündkerzenschlüssel im Bordwerkzeug. Mit einer 8mm Nuss löse ich die beiden Schrauben für die Tankbefestigung, entferne die beiden Schläuche vom Tank und hebe diesen ab. Legt man ein Handtuch oder Holz darunter, verkratzen auch die beiden "Tankohren" nicht.

Zündkerze raus und siehe da, ich komme mir vor wie ein Schornsteinfeger. Total verrußt das Ding. Der ehemals weiße Porzellankern und das umgebende Metall ist dick mit einer Rußschicht belegt. Einzig die Oberfläche des Elektrodenkerns ist rußfrei. Ich baue die neue Zündkerze ein.

Die fetten Jahre sind jetzt vorbei. Das Gemisch muß magerer eingestellt werden.

Also ran an den Vergaser. Ich schraube einfach drauflos. Da der Tank nun schon ab ist, begebe ich mich sofort an das Lösen der beiden Kreuzschrauben am Vergaserkopfdeckel. Es erwartet mich eine Feder, die ich vorsichtig auf ein Tuch lege.

Anschließend ziehe ich den Vergaserzylinder mit samt des Rückholgummis hinaus und begutachte die Vergasernadel. Wie nicht anders zu erwarten, war diese mit dem Sprengring in der untersten Kerbe der Nadel gesichert. Die Nadel ragte also sehr weit aus der Öffnung der Hauptdüse heraus, was entsprechend mehr Spritverbrauch bedeutet (siehe hierzu auch den, wie ich finde, sehr guten Vergaserartikel von Volker Bartheld).

Ich wundere mich erst über einen kleinen weißen Plastikdistanzhalter, der recht fest auf die Nadel gedrückt ist. Ich denke, dieser dient einerseits als Puffer zum Schutz gegen Rütteln von Metall auf Metall, andererseits als zusätzliche Einstellmöglichkeit. Ich belasse die grundsätzliche Konstruktion und entscheide mich für die mittlere Kerbenposition. Anschließend baue ich alles wieder zusammen. Die ganze Aktion dauert etwa 20 Minuten.

An dieser Stelle noch ein kleiner Tip für den Einbau: Baue zuerst den Vergaserzylinder wieder ein und lasse die Nadel anschließend hineingleiten. Nur so herum schonst Du Deine Nerven vor endlosem Gefummel.

Der Verbrauch nach ca. 3 Tankfüllungen zeigt deutlich nach unten. 7 - 8 Litern auf 100 Km. Das ist doch schonmal ein Ergebnis. Von einer geänderten Motorcharakteristik habe ich bisher keinen nennenswerten Unterschied zu vorher feststellen können. Auch das Knallen bei Schiebebetrieb ist mir bisher versagt geblieben. Ich habe eher das Gefühl, daß das Gasgeben "weicher" geworden ist. Aber wie gesagt, nur ein Gefühl.

Bei einer Kontrolle der Kerze nach ca. 350 Km, zeigt sich die Richtigkeit der Maßnahme. Der dicke Ruß ist nur noch am Keramikkern und zum Teil am umgebenen Metall zu sehen. Der Rest ist leicht grau. Insgesamt beurteile ich das Kerzenbild aber als nicht wirklich gut. Noch zuviel Schwarz.

Also alles auf ganz mager, das heißt Sprengring auf oberste Kerbe bzw. Düsennadel auf unterste Position.

Ergebnis: 5 - 6 Liter auf 100 Km. Damit bin ich sehr zufrieden.

Getestet wurde der Verbrauch mit ca. 50 Km Stadtverkehr, 50 Km Landstraße, 50 Km Autobahn, wobei ich auch mal Vollgas gegeben habe (allerdings nur ca. 10 Minuten am Stück, danach wurde mein Nacken steif...). Die Kerzenkontrolle ergibt ein sehr schönes Bild. Leichte schwarze Rußspuren am Keramikfuß, die in der Mitte in eine leichte, graubraune Schicht übergehen. Die "Metallnase" über der Elektrode zeigt links und Rechts leichte Rußspuren, oben und unten ist sie hellgraubraun. Aus meiner Sicht ein optimales Bild.

Eine Co-Messung steht noch aus.

Am liebsten würde ich behaupten wollen, daß Motos, die zuviel verbrauchen, keine vernünftige Vergasereinstellung haben, und daß man diese Einstellungen problemlos, und ohne großes Trara selbst vornehmen kann.

Alles in Allem bin ich mit meinen Erwartungen an die MOTO nicht enttäuscht worden. Nach nunmehr 1500 Km habe ich mich an das Fahrzeug gewöhnt und alle Bedenken, die ich bezüglich Schwerfälligkeit, Verbrauch und Gewicht hatte, sind hinfällig geworden. Die MOTO ist einfach ein solides, zuverlässiges Motorrad ohne viel Gedöns, reduziert auf das Notwendigste.

Ach ja, und sie sieht einfach saugut aus.

Viel Spaß allen mit Ihrer MOTO.
Grüße, Ulf Kersling, Hamburg

Ulf

Email: Ulf.Kersling@t-online.de

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© 2000 Ulf Kersling